M. hat man kaum gemerkt. Im Bad war sie schnell und hat nichts Besonderes erledigt. Wir aßen gemeinsam auf dem Zimmer und tauschten gegebenenfalls Essen miteinander. Sie wußte, was sie wollte und ließ sich so schnell nichts sagen. Sie war viel draußen. Rauchen. Aber nicht bewegen. Zum ersten Stock nahm sie den Fahrstuhl. Einmal sind wir ein paar Schritte gegangen und ich konnte sie überreden, die Treppe zu nehmen. Sie war fix und fertig. Wenn sie nicht rauchte, schaute sie fern. Das hat auch nicht gestört, sie bediente sich der Kopfhörer. Und manchmal haben wir uns einfach nur unterhalten. Zum Abschied haben wir uns sogar umarmt. Einmal rief sie mich auf meinem Zimmer an.
Dann kam Frau G. Mit ihr war es nicht ganz so einfach, obwohl eine sehr nette. Sie kam aus einem anderen Zimmer, einer anderen Station. Sie war noch gar nicht ganz da, bemerkte ich ihre Unbeholfenheit und half ihr mit den Blumen. Wechselte das stinkende Wasser und beschnitt die Rosen. Sie brauchte sehr lange, um ihre Tasche auszupacken. Als das Essen kam, nahm sie einen Bissen, verzog das Gesicht und legte sich wieder ins Bett. Sie beneidete mich um meinen Appetit.
Die ersten Tage sollte sie die Beine hoch legen. Wasser in den Füßen. Außerdem machte ihr die Leber zu schaffen. Sie bekam Tropfnahrung. Davon musste sie pupsen. Sie entschuldigte sich.
Einmal war ihr sehr schlecht. Ich konnte es kaum mit ansehen. Ich holte die Schwester. Ich brachte ihr eine entsprechende Tüte. Immer wenn sie raschelte, dachte ich, es geht los. Ich konnte nicht einschlafen. Dann hatte sie Schmerzen im Bauch und ich konnte nichts tun.
Ich half ihr mit der Bedienung des Fernsehers. Sie hat nichts anderes getan, abgesehen von ihrem kleinen Radio, welches sie selten an hatte. Nach ein paar Tagen hatte auch sie Kopfhörer.
Als ich schon gepackt hatte, brauchte sie ein Taschentuch. Ich überließ ihr ein Päckchen, weil sie keine mehr hatte. Sie wollte mir dafür Geld geben.
Als ich Abführmittel bekam, war sie so nett und ging auf eine andere Toilette, damit unsere frei war. Manchmal erzählte sie Geschichten aus ihrem Leben. Manchmal tranken sie Apfelkorn auf Arbeit, sie hatten einen Hund, sie hatte einen Mann. Sie redete zu wenig über ihren Mann, um seinen Tod bewältigen zu können.
Ich überlegte, ihr ein Heftlein zu schenken, in dem sie ihre Gedanken niederschreiben konnte. Aber ihre Augen waren nicht mehr so gut. Sie hatte auch nie gerätselt oder gelesen.
Einmal habe ich geweint. Sie setzte sich auf meinen Bettrand und nahm meine Hand.
Zum Abschied gab sie mir ihre Telefonnummer. Warum rief ich nicht an?
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