Archiv der Kategorie 'gedicht'

träume & entscheidungen

in meinen träumen geht es nicht um meine träume. es geht um meine ängste und das macht mir angst. es sind ganz banale dinge, die mich da beschäftigen, doch werde ich sie nicht los.
ich möchte mal mit einer guten idee aufwachen, mit dem gefühl, es wird ein guter tag; ich werde etwas neues ausprobieren, etwas gestalten, eine idee verwirklichen und zufrieden sein. ich möchte das gefühl haben, etwas wichtiges zu tun- etwas für mich zu tun.
braucht jeder mensch sein „eigenes reich“? zur persönlichkeitsentwicklung, zum zurückziehen vom massenstress der gesellschaft, der wirtschaft, dem verkehr and so on? zum pause machen? oder ist dies ein grundbedürfnis? betrachtet man die andere seite und stellt sich vor: ich bin ein nichts, meine bedürfnisse stehen nicht im vordergrund, ich passe mich an und tue das, was von mir „erwartet“ wird, dann kann ich kein individuum sein, dann bin ich wie die meisten oder habe zumindest das gefühl.
hier gilt es für mich, einen mittelweg zu finden – wie so oft. ich bin kein entscheidungsfreudiger mensch!
und an dieser stelle möchte ich ein gedicht zitieren:

„schwierigkeiten in der sitzung

das argument
hat mich überzeugt
das gegenargument
hat mich überzeugt
seine widerlegung
und deren widerlegung
haben mich überzeugt

offenbar
bin ich von der sache
so weit entfernt
daß ich noch nicht
partei ergriffen habe

was hat die sache
mit mir
zu tun?“

19.1.78 von hans-curt flemming

„natur“

Still ist der See-
dort draußen.
Hast du Fernweh,
lass es nach außen.

Leise fällt Niesel
auf Wasser.
Wie es rieselt,
wird es nasser.

Da stehen Bäume,
sie sind alt,
ohne Träume
wär ihnen kalt.

Die Sonne strahlt
so schön warm,
sie Muster malt
ins grüne Farn.

Vögel singen
und fliegen,
ihre Flügel schwingen,
sich an Winde schmiegen.

kk, 08.04.2005

frühling?

der frühling
ist ein seltsam ding
lässt sich zeit
mit dem schmetterling

wo wir von ihm träumen
hockt er noch in den bäumen
wollen ihn nicht versäumen:
freude in unser leben räumen

KK

heute

der erste warme tag
und alle im umkreis
gehen an die bucht
sobald der regen geht

ich war wieder froh
warme luft zu atmen
- auch feuchte -
und ging spazieren

noch ist nichts grün
aber den frühling
habe ich schon gespürt
und bald ist er da

kk

Hermann Hesse

Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse, 1905